Schulbesetzung und Geschichten der protestierenden Flüchtlinge

Während Berlin mehr und mehr unter der Schneedecke verschwindet und es immer kälter wird, hab ich mich gefragt, was mit den protestierenden Flüchtlingen am Oranien- und Pariser Platz passiert.

Schon als ich Anfang November das Camp am Pariser Platz besuchte, wirkte es verloren zwischen den Touristenmassen. Auf dem Boden rund ums Camp klebten Klebestreifen, irgendwann einmal hielten sie wohl die Plakate und Transparente fest, die nun dem Wind zum Opfer gefallen waren und über den Kopfsteinpflasterboden wehten. Ein Camp, wie man es sich vorstellt mit Zelten und Schlafsäcken gab es nicht. An einer Stelle waren Regenschirme zusammengeschoben, darunter schienen Jacken zu liegen, Decken hatte die Berliner Polizei ja verboten, also nahm ich an, dass das die Schlafstellen waren. Auch ohne Schnee und Minusgrade war mir nach kurzer Zeit bitterkalt. Im November war das Camp noch voll von Unterstützern. Schulklassen und Reporter_innen drängelten sich um die bunten Regenschirme und der Tisch mit Essen und warmen Tee war so voll, dass meine mitgebrachte Thermoskanne nur mühsam ein Plätzchen fand.

Aber jetzt im Dezember, wenn der Schnee auch noch die Farben der Regenschirme und Transparente schluckt, kann ich mir nicht vorstellen, wie die Flüchtlinge zwischen grau und matschig getrampelten Schnee überlebt hätten.

Zum Glück platze am Samstag aber mitten ins Schneegetriebe die Nachricht, dass die Flüchtlinge eine Alternative für den Winter gefunden und zusammen mit Helfer_innen die leerstehende Gerhart-Hauptmann Schule in Kreuzberg besetzt haben. Das Camp am Pariser Platz wurde Sonntag aufgegeben, am Oranienburger Platz trotzen die Zelte zwar noch den Schneemaßen, aber in der nahegelegenen Schule können die Flüchtlinge sich aufwärmen.

Dienstag entscheidet das Bezirksamt drüber, ob die protestierenden Flüchtlinge in der Schule bleiben dürfen. Man kann nur hoffen, dass die Abgeordneten vorher eine Weile durch den Schnee laufen und sich klar machen, wie kalt es da draußen ist.

Gerne hätte ich im November mit den Flüchtlingen geredet und mir ihre Geschichten angehört, aber als ich da war, war es so voll, dass ich nur schweigend zwischen den vielen Reporter_innen saß und mir ihre Fragen angehört habe. Irgendwann entdeckte ich dann eine Frau, die alleine auf einem Sitzkissen saß und einen Apfel aß. Ich hatte vorher schon kurz mit ihr geredet, wusste das sie Mansureh heißt, aus dem Iran stammt und heute schon gefühlte tausend Interviews gegeben hatte.

Gut, dass ich mich damals, aus Feigheit und weil ich ihr etwas Ruhe gönnen wollte, entschieden habe, sie nicht mit den gleichen Fragen wie alle anderen zu löchern, was schöneres als bei Carridwen, die sich auch die Geschichten der Flüchtlinge angehört und diese zusammen mit schönen schwarzweiß Portraits auf ihrem Blog veröffentlicht hat, wäre dabei wohl auch nicht rausgekommen.  Danke an die Mädchenmannschaft in deren Blogschau ich den Artikel Samstag entdeckt habe.

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