Im Meer schwimmen Krokodile

Der letzte Post aus Berlin ist zum ersten aus Brüssel geworden. Aber bevor ich euch morgen von meinem ersten Interview hier in Brüssel berichte, möchte ich euch ein Buch ans Herz legen und gleichzeitig mit meinem Berliner Thema „Migration“ abschließen.
Das Buch, das ich euch empfehle, heißt „Im Meer schwimmen Krokodile“ , geschrieben von Fabio Geda.
Fabio Geda hat Enaiat, den späteren Ich-Erzähler der Geschichte, auf einer seiner Lesungen getroffen. Enaiat erzählte ihm von seinem Leben, Fabio Geda schrieb es auf und aus Enaiats Leben wurde ein Bestseller. Es hat etwas märchenhaftes, und märchenhaft im grausamsten Sinne ist auch die Geschichte, die das Buch erzählt.

Es beginnt in Afghanistan, das der etwa zehnjährige Enaiat an der Hand seiner Mutter verlässt. Zusammen fliehen sie nach Pakistan, eines Abends setzt sich die Mutter an Enaiats Bett und und lässt ihn versprechen, dass er im Leben niemals stehlen, betrügen oder Drogen nehmen darf. Der kleine Enaiat verspricht es ihr und bevor er einschläft, sagt sie ihm noch: „Und merke dir, dass es sich lohnt zu leben, wenn man immer einen Wunsch vor Augen hat wie der Esel eine Karotte“. Als der Junge am Morgen aufwacht ist die Mutter weg. Enaiat muss sich nun alleine in der Fremde zurechtfinden. Staunend habe ich Enaiat dabei zugesehen, wie er mit grade einmal zehn Jahren anfängt, sein Leben selber zu organisieren. Er beginnt zu Arbeiten und freundet sich mit anderen Straßenkindern an. Enaiat aber will mehr, er wünscht sich schlicht ein besseres Leben. Dieser Traum bringt ihn den Irak, wo er auf einer Baustelle schuftet, und schließlich sogar bis Europa.
Obwohl die Reise grausam ist, liest sich das Buch fast zu leicht. Enaiat erzählt seine Geschichte als würde er dem Leser gegenübersitzen. Wäre das wirklich so gewesen, hätte ich ihn sicher ab und zu unterbrochen und gefragt „Ist das wirklich wahr? Wie hast du das ausgehalten? Woher nimmst du soviel Zuversicht und Kraft?“. So aber musste ich alle paar Seiten innehalten und mir klar machen, dass das wirklich passiert und nicht bloß eine nett erzählte Geschichte ist.
Immer wieder musste ich an meine Flüchtlingskinder denken, so gerne hätte ich auch ihre Geschichten gekannt! Mussten sie auch soviel Mut aufbringen wie Enaiat?

Mein Wunsch war es, Berlin aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten und Geschichten von Migrant_innen einzufangen. So ganz ist mir das nicht gelungen. Ich habe unterschätzt, wieviel Zeit es braucht, eine Reise wie meine zu organisieren und bekannt zu machen. All die Zeit, die ich in Berlin herumlaufen wollte, musste ich vor meinem Laptop verbringen. Obwohl mir auch das Organisieren Spaß gemacht hat, bin ich jetzt sehr froh endlich in Brüssel zu sein. Hier habe ich das Gefühl, nicht zu fest auftreten zu dürfen, damit mein Traum nicht zerplatzt. So unreal und doch schön ist es, dass es endlich losgeht. Aber davon erfahrt ihr morgen mehr!
Enaiats Geschichte jedenfalls solltet ihr lesen, wenn ihr so gerne wie ich erfahren hätte, was die Kinder in der weißen Platte für Geschichten mit sich herum trugen.

Achja, hier findet ein Interview des Treffpunkt Europa Magazins mit Frollein Europa.

Euer frollein Europa

P.S Anfang Februar geht es schon weiter nach Frankreich. Könnt ihr die kleinen schwarzen Punkte auf der Karte erkennen? Es sind Pinnadeln, die in den Orten stecken, wo die meisten Menschen rechtspopulistische Parteien gewählt haben. Meine Ziele also.
Foto0306

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