La Vie est Belle

        DSCF3377Und weil das Leben hier in Brüssel so schön ist, möchte ich Euch auf einen kleinen Spaziergang einladen. Aber nehmt einen Regenschirm mit, denn ich habe noch nie soviel Wetter an einem Himmel gesehen wie in Brüssel.
Manchmal hagelt es auf der einen Straßenseite und auf der anderen scheint die Sonne. Nach einem Regenbogen suche ich aber trotzdem vergeblich. Vielleicht spiegelt er sich so verquer, dass ich ihn nicht entdecke?

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Es hat sich ein wenig Vergangenheit ins junge Europaviertel eingeschlichen, ich zumindest musste sofort an den Palast der Republik denken. Ansonsten ist hier wenig vergangenes zu entdecken. Es wird einfach integriert oder überbaut. Es gab mal einen Fluss, den haben die Brüsseler aber auch überbaut. 1863 war das sehr fortschrittlich, Flüsse in Städten waren trübe, versiffte Krankheitshorte. Aber ich glaube heute träumt so mancher Brüsseler von Spaziergängen am Flussufer, wenn er sich durch die Rushhour kämpft.

Ein bisschen Geschichte fällt mir doch noch ein.

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Was innen so prächtig glänzt, sieht von außen aus, wie die Brüsseler Bürgersteige von oben. Kaputt und dreckig. Das passt aber zur Geschichte. Als durch Brüssel noch einen Fluss floss, gab es statt den Galerien auf dem Bild ein armes Viertel voller armer Menschen. Der König wollte aber viel lieber ein Shoppingcenter vor der Haustür haben und so riss er das Armenviertel ein und baute die Königlichen Galerien. Einem jungen Mann gefiel das gar nicht. Karl Marx stellte sich auf eine Kiste und begann gegen die Neubauten zu wettern. So verlor er seine Aufenthaltsgenehmigung, die von des Königs Gunsten abhing. Zusammen mit seiner Frau Jenny von Westphalen war er dann gezwungen, nach London zu ziehen.  Danke Jojo für die Geschichte

In der Stadt gibt es aber außer königlichen Shoppingcentern noch weitere Oasen: die Parks. In den Parks warten verführerisch duftende Waffel-mobile und Papageien auf die Besucher.

Wirklich!

DSCF3400Die Papageien sind ausgebüchst, als der Brüsseler Zoo den Europäischen Bauten weichen musste. Sie sind die Könige der Parks, blitzschnell und, zumindest im Winter, fallen sie aus der grauen Welt wie Comicfiguren.
Ja, Comicfiguren. Netter Versuch die Stadt ein wenig aufzuhübschen.

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„Brussels is ugly but we love it“ sagt der Use-it Stadtplan dazu. Ganz meine Meinung!
Was Brüssel schön macht, sind immerhin die allermeisten Brüsseler. Brüsseler, die mit einem Mangobier trinken und Jeanneken Pis präsentieren.

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Also ich finde sie deutlich eindrucksvoller als das weltbekannte Manneken Pis.
Apropro Female. #aufschrei ist auch an mir nicht vorbei gegangen. Durch die Brüssler Straßen sollte er hallen! Ein tolles, knapp zweiminütiges Video, was sich leider nicht einbinden lässt. Guckt es Euch an!
Leider kann ich trotz dickem Wintermantel die Erfahrungen der Frau teilen. Das nervt schon sehr. Wie muss es erst all den schönen Frauen gehen, die täglich im Buisness-Kostüm zum Parlament eilen?
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Blick aufs Parlament, Ausblick vom Parlament auf Brüssel

Wenn wir jetzt noch fünf Minuten laufen, sind wir schon Zuhause. Im Zwei-Wochen-Zuhause, was sich dank Jojo, Caro und Natascha so heimelig anfühlt. Das Zuhause ist ein verwinkeltes Haus, acht oder neun Wohnungen, so ganz weiß ich das nicht, weil nach jeder Ecke eine Weitere kommen könnte.

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Jojo, Natascha und Caro sind mein Brüsseler Lottogewinn. Ich hab sie auf einer Geburtstagsparty kennengelernt, auch das Geburtstagskind kannte ich grade einen Tag. Fabian hatte mein Interview im Treffpunkt Europa gelesen und mich eingeladen, mit ihm und seinen Freunden ein Bier trinken zu gehen. Seine Freunde (oder ich mich selber?) haben mich zu seinem Geburtstag am nächsten Abend eingeladen und dort habe ich mir dann ein Zuhause erquatscht. Jojo ist die gute Seele Brüssels, ich glaube es gibt kaum einen Neuankömmling, dem er nicht geholfen hat. Übernachtungen, Wohnungen und Jobs. Jojo bekommt alles hin! Und zufällig ist Jojos Mitbewohnerin grade ausgezogen und ein wunderschönes kleines Zimmer in der Nähe des Parlaments stand leer. Nach meiner ersten Woche auf fremden Sofas war ich des Umziehens müde, als Jojo das gehört hat, hat er mir das Zimmer angeboten und ich habe dankend zugeschlagen. Natascha und Caro wohnen im gleichen Haus, alle drei waren so lieb zu mir, dass ich mehr als einmal heimlich überlegt habe, meinen Rucksack auszupacken und einfach zu bleiben.

Danke für Eure Geduld auf diesem kleinen Spaziergang! Ich muss jetzt packen, nach einem kurzen Zwischenstopp in Köln geht es für mich weiter nach Frankreich.

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2 thoughts on “La Vie est Belle

  1. oh – viel Spaß in Frankreich 😉

    werde gleich mal lesen – warum du Frollein Europa heißt 😉
    In Brüssel hatte ich mal 7 Stunden Aufenthalt – musste aber aufm Flughafen bleiben ;(
    Grüßle
    Dani

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