Bukarest

Das Erste, was mir in Bukarest aufgefallen sind, sind die wilden Hunde. Sie sind überall, mehr als 100.000 sollen in Bukarest leben. Und wie leben die Menschen mit ihnen?

Als Irina von Constanza, einer Stadt am Meer, zum Studieren nach Bukarest zog, fütterte sie die Hunde, die in ihrem Viertel leben. Jetzt sind die Hunde ihre Freunde und wenn sie das Klappern der Nieten an Irinas Schuhen hören, begleiten sie sie friedlich vom Ubahnhof bis zu dem großen blauen Haus in dem sie lebt.
Ich habe keine Nieten an den Schuhen die hundefreundlich klappern könnten und daher schon Respekt vor den teilweise sehr großen Tieren. Als ich Iulia und Irina, meinen tollen Gastgeberinnen hier, davon erzählte, beruhigten sie mich. Die Hunde würden nur bei bösen Menschen bellen oder beißen, irgendwie würden die Tiere erkennen, wer schlechtes im Sinne führe. Am nächsten Tag ging ich mit etwas mulmigem Gefühl an dem tierischen Orakel vorbei. Ich erhielt die Hunde-Absolution. Sie bellten nicht, sie bissen nicht.

DSCF3588das Hunderudel vor der Haustür

Frollein Europa ist also im dritten Land ihrer Reise, Rumänien, angekommen. Bis kurz vor meiner Ankunft habe ich gezögert, welches Thema ich für Rumänien wähle.

In jeder europäischen Stadt, in der ich bisher war, wurde ich von den Einheimischen vor den „Zigeunern“ gewarnt. In jeder europäischen Stadt wurde ich angesprochen „Do you speak english?“ und jedesmal habe ich mich nicht getraut zurück zu fragen „What’s your name? Where do you live? What’s your story?“ Überall hieß es, die sind aus Rumänien. Ein Thema wäre also gewesen, zu gucken ob das stimmt. Kommen die Sinti und Roma aus Rumänien? Wie leben sie hier und was treibt sie in die Fußgängerzonen Europas?

Ein zweites Thema wäre Korruption gewesen. Nach Pferdefleisch ist es wohl das Erste was den meisten zu Rumänien einfällt. Am Endes meines Austauschjahres stand 2010 ein Treffen mit allen europäischen Austauschschülern von YFU. Auf irgendeinem der Seminare haben wir über politische Probleme der Gegenwart geredet. Für mich überraschenderweise einigte sich die Gruppe sehr schnell darauf, dass Korruption eines der größten Probleme Europas sei. Auch in Brüssel habe ich oft gehört, dass Korruption die EU ruiniere. Ein sehr europäisches Problem also und da Rumänien alle negativ Rekorde hält, wäre es wohl ein sehr passendes und ergiebiges Thema hier.

Rumänien hat die größten Naturschutzgebiete in der EU. Ich war überrascht als ich das gelesen habe. Osteuropa habe ich bisher eher selten auf Naturschutz bedacht erlebt. Vielleicht auch zurecht, wenn ich bettelarme Kinder auf der Straße und kaputte Häuser sehe, denke ich auch nicht zuerst: Bewahrt die uralten Eichen am Straßenrand, bitte! Aber sicher ist es nötig, die Natur zu schützen wenn wir eine Zukunft haben wollen und wenn ein Land so eine tolle Natur wie Rumänien hat, ist es richtig, dass eine Menge EU Gelder dahin fließen. Oder? Und wo fließen sie genau hin? Wer engagiert sich dafür? Und ist auch jemand dagegen?

Welches Thema hättet ihr gewählt?

Ich habe mich für das Letzte entschieden. Nach Rechtspopulismus in Frankreich habe ich Lust auf ein positives Thema. Außerdem gefällt es mir mit meinen eigenen, und wie ich glaube, auch mit den Erwartungen der meisten anderen zu brechen. Umweltschutz ist das Thema, das mich in Rumänien am meisten überrascht, was man am wenigsten erwartet und worüber ich deutlich am wenigsten Informationen gefunden habe.

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9 thoughts on “Bukarest

  1. Liebe Enkelin Lilja!
    Ich bin sehr beeindruckt von der Art wie Du Dich Deinem Thema in Rumänien annäherst.
    Ich war vor 13 Jahren mit einer Frauengruppe zur Vorbereitung des Weltgebetstags in Rumänien.
    Das Land hat mir sehr gut gefallen, Bukarest fand ich eher schrecklich.
    Leider hat die Zeit nicht gereicht Constanza und das Naturschutzgebiet zu sehen. So würde ich Dich jetzt gerne auf Deiner Reise begleiten.
    Ich wünsche Dir viele schöne Erlebnisse und Begegnungen mit interessanten Menschen.
    Grüße Iulia herzlich von mir.
    Alles Liebe von Deiner Omama

      • Weil Du in einem Atemzug schon alles darüber weisst, wie es mit den Rumänen so halt bestellt ist, von Korruption über Starssenkinder bis Pferdefleisch.
        (Wette, Du bist ein Fan von Sandra Maischberger, ich meine, diese Boulevard-Denkart, eine Art geistige McDonalds, wo alles schell und clichéhaft seinen Platz finden muss.)
        Reisen, nur um seine vorgefertigten Clichéen bestätigt zurückzubekommen, ist keine gute Idee: wenn Du dich doch entschieden hast, zu reisen, mach’s mit Demut und Respekt und versuche dabei auch etwas zu lernen.
        Mach’s gut und auch etwas.

      • Ich finde es ganz schön anmaßend, dass Sie glauben mich so gut zu kennen. Nein, ich bin kein Fan von Sandra Maischenberger. Auch das Sie, die mich nicht kennen, mir etwas über meinen angeblich fehlenden Respekt oder fehlende Demut erzählen kann ich nicht wirklich nachvollziehen.

        Außerdem glaube ich, Sie haben meinen Post falsch verstanden. Ich habe drei Themen vorgestellt, die in Rumänien möglich gewesen wären. Ich hoffe nicht, dass ich dabei den Eindruck erweckt habe, ich wüsste bereits alles über Rumänien, Straßenkinder und Pferdefleisch.
        Ich habe den Eindruck, dass Sie meinen Post falsch verstanden haben. Ich möchte ganz bestimmt nicht darüber Auskunft erteilen, wie es im Moment um z.B Korruption in Rumänien bestellt ist sondern nur vorstellen, welche Themen ich für Rumänien hätte wählen können.

        Es interessiert mich aber, welche Klischees Sie mir unterstellen zu haben. Ich werde nämlich den Eindruck nicht los, dass das Ihre Klischees sind, die Sie auf mich projizieren.

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