Über Höhlenbier lesen und lettische Musik gewinnen / Win Latvian Folkmusic

Take me to the English version!

Daran, auch mal abends alleine im Restaurant zu sitzen, habe ich mich gewöhnt. Es kommt selten genug vor, dass ich das Geld habe essen zu gehen, wenn ich unterwegs bin, und wenn ich mir das dann gönne, genieße ich es. Egal ob ich alleine an einem Tisch sitze oder nicht.
Etwas anderes ist es aber immer noch alleine in einer Bar zu sein.

CAM00391

„Ala“ heißt „Höhle“ auf Lettisch. Ein passender Name für die Bar in den Gewölben unter Rigas Altstadt. Ein kleiner, unscheinbarer Eingang und dahinter dann ein überraschend großes Kellersystem, ein Raum nach dem anderen, es sind nicht alle genutzt und schließlich im letzten dann eine Kneipe, die so urig wirkt als würde man einen Hobbitfilm hier drehen.

Es ist Volkstanzabend. Ich bin immer wieder überrascht davon was für eine Rolle Folklore für die Letten* spielt. In meiner ehemaligen lettischen Klasse tanzte und sang mindestens die Hälfte meiner Mitschüler und für das einmal in vier Jahren stattfindende Sängerfestival Karten zu bekommen ist etwa so schwer, als wolle man zu einem in Deutschland stattfinden WM Endspiel.

Obwohl es schon sehr voll aber noch spielt keine Musik. Ich hole mir ein Bier an der Theke und stehe dann etwas hilflos im Raum.
Die Tische sind aus Holz und so groß, dass etwa zehn Menschen problemlos Platz nehmen können. An allen Tischen sitzen schon Gruppen, reden, lachen, trinken. Die Plätze an der Bar sind auch schon belegt, und selbst wenn sie frei wären, würde ich mich dazu setzten? An der Bar sitzen zwei Pärchen, mehrere Männergruppen und zwei Männer, die offensichtlich alleine da sind. Sie versuchen mit den Frauen hinter der Bar zu flirten und blicken allen Frauen, die sich an ihren Barhockern vorbei schieben, hinterher. Manchmal raunen sie auch den einen oder anderen Kommentar.

Ich fühle mich wie ein Freak, mein Notizbuch in der einen, mein großes Bier in der anderen Hand, als ich schließlich an einem Tisch, an dem ein Paar sitzt, frage ob ich mich dazu setzen darf. Es sieht nach einem ersten Date aus, sie erfragen vorsichtig Vorlieben und erzählen Anekdoten aus dem Büroleben. Ich sitze da, trinke mein Bier viel zu schnell, nur um etwas zu tun zu haben und drücke sinnlos auf den Tasten meines Handys herum. Schließlich beginne ich die Gespräche um mich herum in meinem Notizbuch mitzuschreiben. Als der Mann auf Toilette geht, spüre ich den Blick der Frau auf mir. Nach einer Weile fragt sie, ob ich Tagebuch schreibe. Nein, antworte ich, aber so etwas ähnliches, ich bin Bloggerin und hier, um zu erfahren, wer und warum zu einem Volkstanzabend in Lettland kommt. Nach ein paar Sätzen bemerkt sie meinen Akzent und fragt neugierig, woher ich komme und warum ich Lettisch spreche. Sie ist begeistert. So wie es alle Letten sind, wenn sie mitbekommen das ich ihre Sprache spreche. Es gibt einen Standardsatz, der jedes Mal fällt und den ich mittlerweile mitsprechen kann: Weißt du, es gibt Menschen, die leben ihr ganzes Leben in Lettland und sprechen schlechter Lettisch als du nach einem Jahr!

Gemeint sind die Russen die in Lettland leben und eine komplett eigene Community bilden. Während der Sowjetzeiten kamen tausende Gastarbeiter ins Land, sie arbeiteten in den sowjetischen Fabriken, sprachen Russisch und wähnten sich nicht in Lettland, sondern in einem Teil der großen Sowjetreiches. Als dieses dann fiel, wurden diese Russen staatenlos. Sie hätten zurück nach Russland gehen können, doch war ihnen auch dieses Land fremd und sie wussten wohl, dass sie dort noch größere Armut erwarten würde. Sie hätten die lettische Staatsangehörigkeit annehmen können, doch hätten sie dafür ein bisschen Lettisch lernen müssen und für viele von ihnen war das kleine Land eigentlich noch immer ein rechtmäßiger Teil Russlands und im Alltag kam man gut ohne Lettisch zurecht.

Mit der Zeit verwächst sich das Problem, viele junge „Russen“ sind zweisprachig aufgewachsen, haben die lettische Staatsangehörigkeit und mit der Sowjetunion so wenig zu tun, wie die anderen Letten ihres Alters. Doch die Fronten in dem ewigen Kulturstreit sind einigermaßen verhärtet und so bleiben die meisten in ihrer jeweiligen Umgebung und es bleibt bei einer russischen und einer lettischen Kultur. Die EU-Abgeordnete Tatjana Ždanoka, die ich in Brüssel traf, hat sich das Problem dieser staatenlosen Menschen auf die Fahnen geschrieben und versucht Rechte für sie zu erstreiten. In Lettland ist sie nicht besonders beliebt.

In dem Bierkeller Ala wird es jedenfalls langsam voller, eine Band beginnt traditionelle Musik zu spielen, der Mann kommt von der Toilette zurück und bekommt aufgeregt erzählt, dass diese junge Deutsche dort Lettisch spricht, und vereinzelt beginnen sich Paare zu erheben und zu tanzen. Ich bin ein bisschen enttäuscht, bei anderen Volkstanzveranstaltungen ist man weniger traditionell, manchmal tanzen dort Mädchen mit Mädchen und Jungen mit Jungen. Hier nicht. Wer sich keinen Partner mitgebracht hat sieht alt aus. Auch tanzen viel weniger Menschen als ich es normalerweise aus Lettland gewöhnt bin.

CAM00387Kurz bevor ich gehen musste, tanzten dann doch noch alle

Ich bleibe sitzen und unterhalte mich mit dem Paar an meinem Tisch. Der Akku meiner Kamera ist leer und so machen die beiden Fotos für mich und versprechen, sie mir später per Mail zu schicken. Ich bin stolz auf mich, weil ich mich inzwischen nicht mehr unwohl fühle und es geschafft habe, Kontakt zu machen. Als die meisten Tänzer sich für eine kurze Pause setzen, gehe ich zu ihrem Tisch hinüber und will mit ihnen reden. Es stellt sich raus, dass sie gar keine Letten sind sondern Weißrussen. Sie sind im Rahmen eines EU-Projektes zur Förderung von Volksmusik und Tänzen in Riga. Deswegen haben grade auch nur so wenige Menschen mitgetanzt und so viele zugeguckt! Die lettischen Volkstänze zum Mittanzen werden erst später kommen, dann, wenn ich schon im letzten Bus nachhause sitzen muss.

Die weißrussische Gruppe lädt mich noch auf ein Bier an ihren Tisch ein und die lettischen Musiker, die später spielen werden, sind so begeistert von meinem Lettisch und so traurig, dass ich nicht bleiben kann, dass sie mir eine CD ihrer Musik schenken. „Kannst du deinen Lesern schenken, damit sie wissen, warum sie nach Lettland kommen sollten“, sagen sie.

Wer die CD aus der Bierhöhle in Riga gewinnen möchte, gibt bitte bis zum 15. Februar in den Kommentaren einen Tipp dazu ab, zum wievielten Mal das Sängerfestival 2013 in Riga stattfand. Raten zwei Menschen gleich entscheidet das Los. Viel Glück!

CIMG1376

Dear English reader,

I know I haven’t been posting much in English lately (well, I’m even bad in posting in German these days) but I’ve got something to make it up to you. While I’ve been in Riga I visited a Bar, called “Beer-cave” in Riga in order to see traditional dances happening. Usually, all Latvian start to dance as soon as the music starts but this time not too many people danced. And when I started to get a little disappointed I decided to speak to the musicians and dancers while they took a little break. It turned out that they weren’t even Latvians but White-Russians. They were on a cultural exchange in Riga and the Latvian group would play later tonight. Unfortunate for me, since I had to catch the last bus home. When they saw how disappointed I was they gave me a CD with Latvian folksongs as a gift. So whoever of you is interested in music from Latvia has now the chance to win this CD!

All you have to do is to guess how often the famous Latvian singer-festival happened already. Leave me a comment until February 15 with your guess! If two people guess the same I will do a little lottery.

English description on the back of the CD:

“This CD marks the 20th anniversary of the Latvian folkgroup “Laiksne”. The group chooses its repertoire from all regions of Latvia. This time the main theme of the album is a particular Latvian tradition during the winter holiday season – the loud and colourful mummery which is always accompanied by joyful songs and dances to scare bad luck away and bring the visited house good fortune and fertility.”

Advertisements

2 thoughts on “Über Höhlenbier lesen und lettische Musik gewinnen / Win Latvian Folkmusic

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s