Warum ich die 80,4% slowakischer Nichtwähler verstehen kann.

Die Filmcrew ist nun abgefahren, sie werden Anfang Mai wieder kommen und wir werden versuchen zu filmen, was ich so über die Europawahl in der Slowakei herausgefunden habe. Bisher bin ich mit dem, was wir gefilmt sehr zufrieden. Eigentlich gab es nur einen einzigen Moment des Unbehagens:

Das Kamerateam begleitete mich in die Wohnung meiner Couchsurfinghosts in Žilina in der Slowakei. Bea und Matthias waren toll, sie ließen sich spontan auf die Kamera ein und begannen mit mir am Küchentisch eine Diskussion über Europa, die Wahlen und die Slowakei. Bea hat 2009 nicht gewählt. Sie ist nicht unbedingt europaskeptisch. Sie glaubt sogar, dass der Euro sehr gut für die Slowakei ist und hat selber im europäischen Ausland studiert. Sie hat nicht gewählt, weil sie nicht wusste für was oder wer überhaupt zur Wahl stand. Sie hat nicht den Eindruck genug über europäische Politik zu wissen, um darüber zu entscheiden. Außerdem glaubt sie nicht, dass ihre Stimme einen Unterschied macht.

SAM_0927Meine tolle Gastgeberin Bea

Am Ende unserer Diskussion fragte Kirsten, die Redakteurin unserer Doku, Bea ob sie nach dieser Diskussion nun vielleicht doch wählen gehen würde und ob das Zusammentreffen mit mir ihre Sicht auf Europa und die Wahlen verändert hat. Bea bejahte beides. Ich fühlte mich sofort sehr unwohl.

Ich weiß nicht ob die Europawahl wichtig ist

In den folgenden Tagen lies ich dieses Gespräch in meinem Kopf immer wieder Revue passieren und versuchte herauszufinden, was mich daran eigentlich so sehr gestört hat. Ich stellte fest, dass es das gleiche Gefühl ist wie wenn jemand mich bittet zu erklären, warum die Europawahlen wichtig sind und jede Stimme zählt. Continue reading

Advertisements