Gezi rund um die Uhr – Mittags

Eigentlich war ich am Freitag, dem 14.06.2013 gegen 11.30 Uhr zum Pilates mit einem LGBT-Aktivisten verabredet. Es war ein Freitag und der Gezi-Park schon seit dem Morgen, trotz leichten Regens, brechend voll. Als der Mann nicht auftauchte, oder wir uns verpassten, zuckte ich die Schultern und meinte zu einer mich begleitenden Freundin: „Nicht so schlimm, lass es uns morgen nochmal probieren. Vielleicht läuft man sich ja auch später noch über den Weg.“ Wir liefen bei Eren vorbei, doch der gab grade ein Interview für das ZDF. Eine Frau fragte ihn, ob sie den Park im Laufe des Tages freiwillig räumen werden. „Nein, wieso?“, gab Eren erstaunt zurück. Sie erzählte, dass ein Gerücht im Umlauf sei. Gestern Nacht hätte sich die Taksim Solidarity Platform mit Erdogan getroffen und gemeinsam hätte man beschlossen, den Park zu räumen. „Glaub ich nicht, wir bleiben hier!“ sagte Eren bestimmt.

SAM_0174Solidarität im verregneten Park

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Stillgestanden.

Es ist ein komisches Gefühl einfach stehen zu bleiben. Der Taksim ist ein Platz, über den normalerweise nur gehetzt wird. Vom Bus zur Ubahn, schnell noch mal ganz kurz bevor die Läden schließen zum Einkaufen, die Touristen fallen hier aus den Flughafenbussen und ihre Rollkoffer klappern über den gepflasterten Boden wenn sie zu ihren Hotels eilen. Es kostet mich ein wenig Überwindung aus der laufenden Masse hinauszutreten und stehen zu bleiben. Die Menschen, die eben noch neben mir liefen, bleiben jetzt stehen um mich zu fotografieren. Sie fotografieren die stehenden Menschen auf dem Taksim-Platz, weil sie die stille Fortführung der lauten Schlagzeilen der letzten Wochen sind.

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24 Stunden Gezi – Morgens

Es ist 6.30 Uhr am Morgen, Eren stapelt Tomaten und Käse auf Plastiktellern. “Wir versuchen jeden Tag ab 6 Uhr das Frühstück für die fertig zu haben, die vom Gezi aus zur Arbeit oder Uni fahren” erklärt Eren mir. Er ist ein bisschen heiser und hat heute auch schon  ein Interview mit dem ZDF hinter sich. Sie wollten ihn  unbedingt filmen, wie er Frühstück ausgibt. Seitdem die Proteste angefangen haben, ist Eren zum Medienprofi geworden. Grade deutsches Fernsehen oder Redaktionen stützen sich immer wieder auf ihn, den Deutsch-Türken, der seit Anfang an dabei war. Doch eigentlich redet Eren lieber über die anderen Menschen im Park als über sich. Er ist einer dieser Menschen, die einem in einer halben Stunde zehn Menschen vorstellen und es schaffen, alle so miteinander bekannt zu machen, dass sie sofort ein gemeinsames Thema haben. Für mich überwindet Eren heute Sprachbarrieren. Obwohl viele im Park englisch sprechen, gibt es doch immer wieder Menschen, mit denen ich so gerne reden würde, aber ohne Türkischkenntnisse nicht kann. Einer dieser Menschen ist Fatoş. Die zierliche junge Frau steht hinter dem Frühstücksstand, scherzt mit den Menschen, tanzt und scheint überall gleichzeitig zu sein. „Fatoş ist heute nicht so gut drauf“, sagt Eren, „Ihr solltet sie mal an normalen Tagen erleben! Das hier ist nur Energielevel Eins.“.

SAM_0152Eren (rechts) und Fatos (neben ihm) nachdem der erste Frühstücksansturm vorbei ist

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It’s about Freedom

If the government hoped the protests at Gezi-Park would die a slow death without the police around they were wrong. Now, at the sixth day of the park occupation, Gezi is more alive than ever. In just a few days the Gezi-Park developed from a rather boring park into a lively art-space. There I meet Deniz and he friends for a little interview.

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