Mein NSA-Skandal Teil 1 – Die antiamerikanische Revolution und Kalaschnikows

Meine momentane Unfähigkeit zu bloggen macht, dass ich nun schon fast retrospektiv auf meine Zeit in Griechenland blicke.. Da es mir bisher nicht so wirklich gelungen ist, einen roten Faden in all meine Begegungen hier zu bringen, habe ich überlegt, was mich persönlich in durch die Zeit begleitet hat. Abgesehen von meinem Nicht-Bloggen. Nach einiger Überlegung bin ich auf den NSA-Skandal gekommen.

Während Snowden Dokument für Dokument veröffentlichte und die deutschen Medien sich warm liefen in der NSA-Berichterstattung, arbeitete ich auf einem griechischen Bio-Bauernhof. Das klingt etwas idyllischer als es war. Wenn man an einen Bauernhof denkt, so denkt man seltener an das Geräusch der Wasserpumpe neben dem Schlafzimmer oder das Rauschen der Autobahn hinter den Feldern. Eine weitere Lektion gegen die Idealisierung des Landlebens verpassten mir die Disteln, hinter denen sich die langen Reihen voller Tomatenpflanzen geschickt verborgen. Die kleinen Stacheln der trockenen Pflanzen hängen noch heute in meinen Klamotten, meine Freizeit verbringe ich damit sie einzeln mit einer Pinzette aus dem Stoff zu ziehen (Hat jemand eine bessere Idee?).

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Gezi rund um die Uhr – Mittags

Eigentlich war ich am Freitag, dem 14.06.2013 gegen 11.30 Uhr zum Pilates mit einem LGBT-Aktivisten verabredet. Es war ein Freitag und der Gezi-Park schon seit dem Morgen, trotz leichten Regens, brechend voll. Als der Mann nicht auftauchte, oder wir uns verpassten, zuckte ich die Schultern und meinte zu einer mich begleitenden Freundin: „Nicht so schlimm, lass es uns morgen nochmal probieren. Vielleicht läuft man sich ja auch später noch über den Weg.“ Wir liefen bei Eren vorbei, doch der gab grade ein Interview für das ZDF. Eine Frau fragte ihn, ob sie den Park im Laufe des Tages freiwillig räumen werden. „Nein, wieso?“, gab Eren erstaunt zurück. Sie erzählte, dass ein Gerücht im Umlauf sei. Gestern Nacht hätte sich die Taksim Solidarity Platform mit Erdogan getroffen und gemeinsam hätte man beschlossen, den Park zu räumen. „Glaub ich nicht, wir bleiben hier!“ sagte Eren bestimmt.

SAM_0174Solidarität im verregneten Park

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Stillgestanden.

Es ist ein komisches Gefühl einfach stehen zu bleiben. Der Taksim ist ein Platz, über den normalerweise nur gehetzt wird. Vom Bus zur Ubahn, schnell noch mal ganz kurz bevor die Läden schließen zum Einkaufen, die Touristen fallen hier aus den Flughafenbussen und ihre Rollkoffer klappern über den gepflasterten Boden wenn sie zu ihren Hotels eilen. Es kostet mich ein wenig Überwindung aus der laufenden Masse hinauszutreten und stehen zu bleiben. Die Menschen, die eben noch neben mir liefen, bleiben jetzt stehen um mich zu fotografieren. Sie fotografieren die stehenden Menschen auf dem Taksim-Platz, weil sie die stille Fortführung der lauten Schlagzeilen der letzten Wochen sind.

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“Pepperspray us and we still see the unfairness”

Actually, I planned to post four articles about the daily life in Gezi within the next days. To rehear my interviews from the last days has become something spooky now. Where all the laughing, music and dancing took place is now a empty nomensland, “protected” by police.

Yesterday evening the police started to clear Gezi Park. I was very lucky to not accidently be there because the brutaliy reached new levels and I was scared already last week… They gazed childred and a hotel, which was used as a hospital. Since I wasn’t there I can’t give you any first-hand information at this time.  But the German TV channel ZDF has a really good report on yesterday evening. Some of some imagines might be really shocking, it contains police brutality and injured people. It’s english subtiltled.

Even though my articles about the daily life in Gezi now have a slightly bitter tast I’ll continue to post them in the next days. I really want to show you how beautiful it has been and what people are able to do if they unite. I believe this isn’t the end. Protests will go on. I’m just scared that Erdogan might have destroyed the peaceful and creative atmosphere the protests had so far, for good.

SAM_0116One of the last picutures I have been taking in Gezi-Park.

Instead of my diary…

Yesterday, I wrote in German about my experiences at Gezi-Park during the last days. The post covers why Gezi-Park won my heart, what the protester want and how I got heavily teargazed on tuesday. I planned to translate my post into English as well. Unfortunately, I don’t have time to do so. Nobody knows how much longer I will be able to do interviews at Gezi-Park and that’s why I spend every free minute there. If I’m not at Gezi-Park I’m transcribing my Interviews, reviewing my pictures or trying to share new information on facebook and twitter. Luckly, a tweet just leaded me to Zeynep Tufkcis blog. Her last days experiences have been surprisingly similare to mine and she explains the reasons for protesting way better than I do. Please have a look at her post “What do #occupygezi Protesters Want? My Observations from Gezi Park” .
The next english post will be a selfwritten one again, I promise!

Tagebuch einer ausländischen Extremistin

Nachdem es in den letzten Tagen sehr still auf meinem Blog war, da die Ereignisse sich überschlugen und ich keine Zeit für längere Texte hatte, werde ich jetzt versuchen meine persönlichen Eindrücke der Proteste in Istanbul aufzuschreiben.

Es begann sehr klein. Am Freitag, dem 31. Mai 2013, redete im Metrobus in der Istanbuler Vorstadt plötzlich jeder mit jedem. Eine Freundin übersetzte mir, dass es Proteste in einem Park gegeben hätte und die Polizei außergewöhnlich hart gegen die Demonstranten vorgegangen sei. Bilder auf Mobiltelefonen machten die Runde und die Leute blickten entsetzt auf eine junge Frau mit rotem Kleid, die alleine im Tränengasnebel steht.

Combo photo of Turkish riot policeman using tear gas against woman as people protest against destruction of trees in park in Istanbul

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Prime Minister, get your hands off my body!

The feminist corner at the Gezi-Park is easy to recognize: lilac banner blow in the wind and feminist leaflets as well as beautiful daisies are placed on a small table in front of a tent. I’m here to find out something about the feminist view on Turkey and the latest events. My today’s date Ilke Gökdemir invites me to sit down on the grass next to her and starts to speak before I’m even able to switch on my recorder. As everybody else here she is very proud and happy about what is happening at the Gezi-Park.

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