Ein Montag in Breb

Die ersten zwei Teile der Breb-Geschichte findet ihr hier und hier

Es ist acht Uhr morgens als ich mit Mariana und Christi frühstücke. Sechs war für mich nur ein Witz, für Georg aber Realität. Er ist bereits seit zwei Stunden am Arbeiten auf dem Land. Und auch Mariana muss schon eine Weile wach sein, auf dem Boden neben uns steht ein vollgepackter Korb mit Brot, Gemüse, Aufstrich und Hühnerkeulen fürs Mittagessen. Der Korb hat zwei Schlaufen, Mariana setzt ihn sich, trotz Christis und meinen Protesten, weil wir den Korb auch hätten nehmen können, auf dem Rücken und wir wandern los. Georg ist mit dem Pferdewagen zum Land der Familie gefahren, wir laufen ihm jetzt hinterher. Es geht quer durch Breb, an Küchenfenstern, Höfen und Gärten vorbei. Überall begegnen wir Frauen mit Körben auf dem Rücken auf dem Weg zu ihren Männern. Heute haben die Frühlingsferien in Rumänien begonnen, für die Kinder in Breb heißt das, dass sie statt in die Schule zu gehen bei der Arbeit helfen. Von munteren Sechsjährigen bis zu verschlafenen Teenagern begegnet uns alles. Ziemlich schnell lassen wir das Dorf hinter uns und laufen weiter auf Trampelpfaden. Immer mal wieder müssen wir über kleine Bächlein springen oder Matschmeere überwinden. Jedes Mal fasst Christi nach Marianas Arm um ihr über die Hindernisse zu helfen, und wenn er ein Stückchen weiter vorne oder hinten läuft, ruft er mir zu: „Hilf meiner Mutter!“ und ich fasse nach Marianas Arm. Den Picknickkorb überlässt sich mir aber nur für ein paar Meter und ein Foto.

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Old Style Breb

Den ersten Teil meines Breb-Märchens könnt ihr hier nachlesen.

Kurz vor zehn am nächsten Morgen stehe ich vor der schweren Holzeingangstür der kleinen Häuschens und versuche verzweifelt den Schlüssel in dem 200 Jahre alten Schloss zu drehen. Der Schlüssel ist größer als meine Hand und abzuschließen ging ganz leicht. Aufschließen nicht. Leise fluche ich. Im oberen Schlafzimmer schläft ein Paar aus der rumänischen Gruppe, sie waren unerwartet ein wenig mehr und so bin ich ins Wohnzimmer neben den Ofen ausgewichen. Wir waren lange wach, haben am Lagerfeuer gestanden, gegrillt und erfolglos versucht mir Volkstänze beizubringen. Ich bekomme die Tür meines Schneewitchenhauses einfach nicht auf und will weder die anderen wecken, noch zu spät zu meiner Verabredung mit Chris und seiner Familie kommen. Schließlich öffne ich die vier Fensterflügel des kleinen viereckigen Fensters und springe auf die Holzveranda. Continue reading