Die Höhle des Löwen

Wie ungefährlich. Ein blaues, unspektakuläres Bürogebäude. Ein paar Meter weiter sitzen Männer in einem portugiesischen Restaurant und spielen Karten. Gegenüber des blauen Würfels stehen kleine Häuschen, aber keine schicken Eigenheime, eher die Art von Vorstadthäusern, in deren Vorgärten ausrangierte Möbel vor sich hin schimmeln. Wüsste ich nicht, dass die Rue de Suisse 78 der Hauptsitz der Front National ist, ich hätte es niemals erraten. Nirgendwo ein Schriftzug oder Parteilogo. Am Briefkasten nur Kürzel, der Zaun ist dreckig weiß und verschlossen. Nach kurzem Zögern klingel ich, die Gegensprechanlage knarzt und ich höre eine Männerstimme. „Bonjour“ sag ich und dann die auswendiggelernten französischen Wörter: Ich komme aus Deutschland, mache ein Projekt über Europa und hätte gerne Informationsmaterial oder so was zum Thema EU. Ich bin mir nicht sicher ob der Mann mich verstanden hat. Als er antwortet rauscht die Gegensprechanlage so sehr, dass ich ihn wohl auch auf Deutsch oder Englisch nicht verstanden hätte. Ich stottere irgendwas, er sagt etwas, die Gegensprechanlage rauscht. Stille. Was mach ich jetzt? Das weiße Tor ist noch immer verschlossen. Ich bleibe einfach stehen, gucke in die Kamera, die über mir schwebt und lächle. Nach einer Weile klickt es leise und plötzlich kann ich das Tor öffnen.

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Mädchen nimm dich in Acht?

Paris, Paris, Paris!

Und wieder habe ich unglaubliches Glück: Ich bin bei einer tollen Familie in einem Pariser Vorort untergebracht. Wenn ich aus dem Fenster meines Zimmers gucke, vergesse ich manchmal das Disneyland auf der anderen Seite der RER-Schnellzuglinie liegt, so magisch sieht es hier aus.
Und Paris erst! Ich gebe zu, dass ich die Geschichten immer für übertrieben gehalten habe. Wie könnte eine Stadt jemals schöner sein als mein Berlin?!
Aber, liebes Berlin, du hast verloren. Irgendwann am Ende meiner langen Tour ließ ich mich erschöpft auf die Steintreppe hinauf zur Sacré-Coeur fallen, blickte auf den Sonnenuntergang hinterm Eiffelturm und dachte, dass es kitschiger nicht werden könnte. In diesem Moment begann eine Gruppe Jugendlicher hinter mir Gitarre zu spielen und französische Chansons zu singen…

Wäre ich die Steintreppen wieder hinunter geklettert und hätte den Schnellzug bis zu meinem Schlösschen gleich gefunden, wäre die Geschichte hier zu Ende.
Leider fängt sie erst an. Continue reading