Rumänien – Versuch einer Zusammenfassung I

„Ich versuche zu sehen, was du siehst, wie sieht Bukarest für dich aus?“ Fragte mich Iulia in meinen ersten Stunden in der rumänischen Hauptstadt. Irina, ihre Mitbewohnerin, und sie hatten mich vom Flughafen abgeholt. Der Flughafenbus spukte uns am Gara de Nord aus. Nicht unbedingt Bukarest schönstes Viertel – aber wie hätte ich das Wissen können in den ersten Stunden?

Iulias Frage beantwortete ich am Abend in meinem Notizbuch.
Weiß nicht mal, was ich selber sehe. Mein erster Eindruck ist Wahnsinn. Große, nein, riesige graue Häuser, Verkehrschaos, Hunde, die an roten Ampeln warten und vermüllte Grünflächen. Hüpfen über zu Eisbergen gefrorenem Schnee. In allen vorstellbaren Grautönen heben sich die Häuser vom ebenfalls grauen Himmel ab. Wenn ich es mir durch die Europa-Brille angucke, ist es kaum zu glauben, dass Rumänien Teil der EU ist. Zu groß und zu krass scheinen mir die Unterschiede.

58 Tage später ist der erste Eindruck für mich kaum noch nachvollziehbar. Ich blicke zurück auf eine tolle Zeit mit wunderbaren Menschen. Aber was liegt zwischen dem ersten Schock und der Abschiedseuphorie? Continue reading

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Ein Montag in Breb

Die ersten zwei Teile der Breb-Geschichte findet ihr hier und hier

Es ist acht Uhr morgens als ich mit Mariana und Christi frühstücke. Sechs war für mich nur ein Witz, für Georg aber Realität. Er ist bereits seit zwei Stunden am Arbeiten auf dem Land. Und auch Mariana muss schon eine Weile wach sein, auf dem Boden neben uns steht ein vollgepackter Korb mit Brot, Gemüse, Aufstrich und Hühnerkeulen fürs Mittagessen. Der Korb hat zwei Schlaufen, Mariana setzt ihn sich, trotz Christis und meinen Protesten, weil wir den Korb auch hätten nehmen können, auf dem Rücken und wir wandern los. Georg ist mit dem Pferdewagen zum Land der Familie gefahren, wir laufen ihm jetzt hinterher. Es geht quer durch Breb, an Küchenfenstern, Höfen und Gärten vorbei. Überall begegnen wir Frauen mit Körben auf dem Rücken auf dem Weg zu ihren Männern. Heute haben die Frühlingsferien in Rumänien begonnen, für die Kinder in Breb heißt das, dass sie statt in die Schule zu gehen bei der Arbeit helfen. Von munteren Sechsjährigen bis zu verschlafenen Teenagern begegnet uns alles. Ziemlich schnell lassen wir das Dorf hinter uns und laufen weiter auf Trampelpfaden. Immer mal wieder müssen wir über kleine Bächlein springen oder Matschmeere überwinden. Jedes Mal fasst Christi nach Marianas Arm um ihr über die Hindernisse zu helfen, und wenn er ein Stückchen weiter vorne oder hinten läuft, ruft er mir zu: „Hilf meiner Mutter!“ und ich fasse nach Marianas Arm. Den Picknickkorb überlässt sich mir aber nur für ein paar Meter und ein Foto.

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