Rumänien – Versuch einer Zusammenfassung I

„Ich versuche zu sehen, was du siehst, wie sieht Bukarest für dich aus?“ Fragte mich Iulia in meinen ersten Stunden in der rumänischen Hauptstadt. Irina, ihre Mitbewohnerin, und sie hatten mich vom Flughafen abgeholt. Der Flughafenbus spukte uns am Gara de Nord aus. Nicht unbedingt Bukarest schönstes Viertel – aber wie hätte ich das Wissen können in den ersten Stunden?

Iulias Frage beantwortete ich am Abend in meinem Notizbuch.
Weiß nicht mal, was ich selber sehe. Mein erster Eindruck ist Wahnsinn. Große, nein, riesige graue Häuser, Verkehrschaos, Hunde, die an roten Ampeln warten und vermüllte Grünflächen. Hüpfen über zu Eisbergen gefrorenem Schnee. In allen vorstellbaren Grautönen heben sich die Häuser vom ebenfalls grauen Himmel ab. Wenn ich es mir durch die Europa-Brille angucke, ist es kaum zu glauben, dass Rumänien Teil der EU ist. Zu groß und zu krass scheinen mir die Unterschiede.

58 Tage später ist der erste Eindruck für mich kaum noch nachvollziehbar. Ich blicke zurück auf eine tolle Zeit mit wunderbaren Menschen. Aber was liegt zwischen dem ersten Schock und der Abschiedseuphorie? Continue reading

Geschichte einer Reisenden

Zuallererst, möchte ich sagen, dass man nicht sagen kann, es wäre schlecht geplant gewesen. Wir hatten zwei Stadtpläne mit uns und Eline guckte an jeder Straßenecke auf mindestens einen. Tatsächlich erreichten wir den Prager Busbahnhof, eine halbe Stunde zu früh. Zeit für einen letzten kurzen Kaffee.

Eline und ich waren seit vier Tagen in Prag, hatten die Stadt durchstreift, Geschichten gefunden und Menschen getroffen. Jetzt waren wir müde und freuten uns auf Zuhause. Seit 2009 feiern Eline, eine Niederländerin, die ich in Lettland traf, und ich zusammen Silvester. Dieses Jahr hätte ich unser gemeinsames Fest fast abgesagt, „Frollein Europa“ lässt ein paar Tage Urlaub im Moment nicht zu. Eline überzeugte mich schließlich, dass ich auch in Prag arbeiten könnte und sogar eine schöne Geschichte für den Blog finden würde. Wie recht sie hatte!

Aber zurück zum Prager Busbahnhof: Mit der allerminimalsten Verspätung von circa zwei Minuten machte ich mich schließlich auf zum Hauptbahnhof, von wo in 28 Minuten mein Zug nach Berlin abfahren würde. Nicht mehr als 500 Meter, der Weg auf dem Plan schien so einfach… Ruhig und sicher ging ich meinen Weg. Die Straßennamen stimmten mit denen auf meiner Karte überein, alles war gut. Bis mein Weg zu einer Autobahnauffahrt wurde. Keine Chance die verbleibenden Meter hier zu bewältigen. Aber okay, es gab noch einen anderen Weg, eine kurze Station mit der Metro, Schwarz, aber was solls, dachte ich. Die Zeit würde knapp werden, es war aber durchaus möglich es zu schaffen. Ich lief zum Metro-Eingang und der war abgesperrt. Die eisernen Tore bleiben fest geschlossen, auch wenn ich meinen riesigen Rucksack dagegen warf. Ein laminierter Zettel auf tschechisch informierte über was weiß ich was. Beunruhigt fragte ich die Vorbeikommenden und nach einer zu langen Weile kam heraus, dass der weiße Zettel auf einen Schienenersatzverkehr hinwies. Der Bus fahre direkt auf der anderen Straßenseite. Und dort, an der leeren Haltestelle blinkte grade ein Bus mit den Rücklichtern und verschwand im Verkehr.

DSCF8043

Das Prager Metronom gibt den Takt der Stadt an. Wäre die Zeit für mich langsamer vergangen, hätte es jemand angehalten?

Continue reading

A christmas topic: all about the children

It’s time for my first English blogpost, and I have to admit I’m nervous.I’m very happy about feedback!

Before I start I want to call your attention to an articel I found at Eutopia, a very nice blog about visions and critics of EU poltitics. The blog entry is titled “Some Animals Are More Equal Than Others” and deals with immigration in Europe. I enjoyed reading it a lot. It is a very good introduction to the topic.

If you read the article, maybe you can understand the desperation of a woman whose relatives escaped from Syria to Turkey a few weeks ago. When I sent an email in order to let everyone know that my blog is online now, a colleague of my mother responded and shared the story of her family who are now refugees in Turkey. The family decided to leave Syria because the situation there is getting worse day by day. After three weeks in Turkey they luckily got their own little flat in Killis, a city close to the syrien border, where about 10,000 other Syrian refugees live now. Ftaim, the mother, and her six children, between four- to fifteen-years-old, are very happy to finally live on their own again. The father, Hamza, is already in Germany and works in Köln as hard as possible to earn money for his family. But winter is definetely coming and life is quite expensive in Turkey. They have one little oven in their flat and pay daily four Euros just for coal. But what they mostly need are winter clothes for the children. They are sizes 98, 122, 146 and 164. On the 26th, my mother’s colleague is going to Turkey and, she hopes to bring as much cold weather gear with her as possible.

Does somebody of you have winter clothes in those sizes?

If you live in Berlin, I would pick them up, and if you don’t live here, I can give you the woman’s address. Just email me at lilja@frolleineuropa.de or leave a comment below. Karin Pütt is also very happy about donations for the family.

karin putt                                                              two of the children still in syria, taken by Karin Pütt

Continue reading

Oh du fröhliche… Kinderbetreuung im Flüchtlingslager

„Wie schwer kann es schon sein, einen Abend auf ein paar Kinder aufzupassen?“ dachte ich. Schließlich arbeite ich im Supermarkt an der Kasse und bin damit fast so qualifiziert wie eine ehemalige Schleckermitarbeiterin, die Kristina Schröder und Ursula von der Leyen ja auch zu Erzieherinnen machten wollte.

Drei Stunden nach dieser Überlegung stand ich in einem kahlen, weißen Raum, in der Mitte ein Tisch, daneben ein abgewetztes Sofa und war den Tränen nahe. Auf dem Tisch kauten dreijährige auf Wassermalfarbenpinseln herum, um den Tisch und übers Sofa jagten in schwindelerregender Geschwindigkeit eine Horde Mädchen und Jungs einem Ball hinterher, der immer wieder in Richtung Fenster flog. In einer anderen Ecke saßen einige ältere Jungs dicht gedrängt um mein Handy herum. Nur gelegentlich wurden Kopfnüsse verteilt, wenn jemand anders spielen wollte.

Continue reading

kleines eiliges Update

Juhu! Die leerstehende Schule darf bis März 2013 von den Flüchtlingen genutzt werden. Für Heizung, Strom und Wasser wird das Bezirksamt vermutlich auch aufkommen.

Schulbesetzung und Geschichten der protestierenden Flüchtlinge

Während Berlin mehr und mehr unter der Schneedecke verschwindet und es immer kälter wird, hab ich mich gefragt, was mit den protestierenden Flüchtlingen am Oranien- und Pariser Platz passiert.

Schon als ich Anfang November das Camp am Pariser Platz besuchte, wirkte es verloren zwischen den Touristenmassen. Auf dem Boden rund ums Camp klebten Klebestreifen, irgendwann einmal hielten sie wohl die Plakate und Transparente fest, die nun dem Wind zum Opfer gefallen waren und über den Kopfsteinpflasterboden wehten. Ein Camp, wie man es sich vorstellt mit Zelten und Schlafsäcken gab es nicht. An einer Stelle waren Regenschirme zusammengeschoben, darunter schienen Jacken zu liegen, Decken hatte die Berliner Polizei ja verboten, also nahm ich an, dass das die Schlafstellen waren. Auch ohne Schnee und Minusgrade war mir nach kurzer Zeit bitterkalt. Im November war das Camp noch voll von Unterstützern. Schulklassen und Reporter_innen drängelten sich um die bunten Regenschirme und der Tisch mit Essen und warmen Tee war so voll, dass meine mitgebrachte Thermoskanne nur mühsam ein Plätzchen fand.

Aber jetzt im Dezember, wenn der Schnee auch noch die Farben der Regenschirme und Transparente schluckt, kann ich mir nicht vorstellen, wie die Flüchtlinge zwischen grau und matschig getrampelten Schnee überlebt hätten.

Zum Glück platze am Samstag aber mitten ins Schneegetriebe die Nachricht, dass die Flüchtlinge eine Alternative für den Winter gefunden und zusammen mit Helfer_innen die leerstehende Gerhart-Hauptmann Schule in Kreuzberg besetzt haben. Das Camp am Pariser Platz wurde Sonntag aufgegeben, am Oranienburger Platz trotzen die Zelte zwar noch den Schneemaßen, aber in der nahegelegenen Schule können die Flüchtlinge sich aufwärmen.

Dienstag entscheidet das Bezirksamt drüber, ob die protestierenden Flüchtlinge in der Schule bleiben dürfen. Man kann nur hoffen, dass die Abgeordneten vorher eine Weile durch den Schnee laufen und sich klar machen, wie kalt es da draußen ist.

Gerne hätte ich im November mit den Flüchtlingen geredet und mir ihre Geschichten angehört, aber als ich da war, war es so voll, dass ich nur schweigend zwischen den vielen Reporter_innen saß und mir ihre Fragen angehört habe. Irgendwann entdeckte ich dann eine Frau, die alleine auf einem Sitzkissen saß und einen Apfel aß. Ich hatte vorher schon kurz mit ihr geredet, wusste das sie Mansureh heißt, aus dem Iran stammt und heute schon gefühlte tausend Interviews gegeben hatte.

Gut, dass ich mich damals, aus Feigheit und weil ich ihr etwas Ruhe gönnen wollte, entschieden habe, sie nicht mit den gleichen Fragen wie alle anderen zu löchern, was schöneres als bei Carridwen, die sich auch die Geschichten der Flüchtlinge angehört und diese zusammen mit schönen schwarzweiß Portraits auf ihrem Blog veröffentlicht hat, wäre dabei wohl auch nicht rausgekommen.  Danke an die Mädchenmannschaft in deren Blogschau ich den Artikel Samstag entdeckt habe.